ELVIRA LANTENHAMMER

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Gertrude Elvira Lantenhammer | Bildende Künstlerin & Kuratorin
Schlossplatz 3 | D-97855 Triefenstein Homburg | T: +49 (0)9395 877888

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TEXTE.

 

ELVIRA LANTENHAMMER

 

Abstrakte Lagepläne und Archaische Köpfe
Die Ausstellung mit Arbeiten Gertrude Elvira Lantenhammers in der Galerie der BayernLB präsentiert erstmals umfassend die beiden prägenden Werkgruppen der Künstlerin.

Was verbindet die ungegenständlichen Lagepläne mit den figurativen Kopf-Bildern, die keinem Individuum zu entsprechen scheinen und trotzdem persönlich wirken?

Beide repräsentieren einen künstlerischen Schöpfungsakt, dem eine intensive Auseinandersetzung mit der Doppelnatur, den beiden Gesichtern der Realität vorangeht. Orte wie Menschen können einerseits neutral registriert, ihr Äußeres vermessen werden. Zugleich können beide aber in einem höchst persönlichen Verhältnis zu demjenigen stehen, der sich mit ihnen beschäftigt. Ausgehend von tatsächlichen Landkarten, die den realen Ort bereits in ein Zeichensystem verwandelt haben, schafft Gertrude Elvira Lantenhammer in ihrer künstlerischen Aneignung vor allem mit dem Mittel der Farbe ein zweites Gesicht der Orte.

Den zum Triptychon kombinierten Bildern der Köpfe stellt die Malerin archaisch reduzierte Kopf-Skulpturen, die von ihr selbst geschaffenen Vorlagen der Malerei, voran. Hier wird die Wandlung zum zweidimensionalen, farbig interpretierten Bild direkt erlebbar. In beiden Werkgruppen schafft diese Verwandlung von eigenständigen Ausgangspunkten etwas Neues. Diesen Schöpfungen wird man vielleicht mit dem Begriff des Antlitz als jenem subjektiv erlebten "zweiten Gesicht" von Dingen und Zuständen gerecht.

Das Antlitz ist ein in malerischer Sprache verfasstes Konzentrat aus Erlebnis, Erinnerung und Gefühl. Es ist die Essenz, aus der die Malerin Gertrude Elvira Lantenhammer ihre Bilder erschafft.

Jochen Meister, München 2007

 

Lagepläne
In ihren Lageplänen verarbeitet Gertrude Elvira Lantenhammer Ausschnitte von Landkarten und Stadtplänen zu – zum Teil großformatigen – malerischen Tableaus. Über ein intensives Studium topografischer Kartenwerke, historischer und zeitgenössischer, gelangt die Künstlerin zur formalen Grundstruktur, zur Essenz des Orts.

Den intuitiv gefundenen Grund-Farbklang des Orts – sozusagen die Ausstrahlung, die Atmosphäre – malt sie in überlagerten Farbschichten, verdichtet ihn zu großflächigen Farbkompositionen als Thema mit Variationen. Hauptorientierungspunkte für den Betrachter in Gertrude Elvira Lantenhammers abstrakten Acrylbildern auf Leinwand sind die dominanten Farben.


Köpfe
Parallel entstehen Köpfeskulpturen und -bilder. In der Kopfplastik Lantenhammers sind verschiedene Darstellungsebenen vorgegeben. Auf der einen Seite sind die Portraits, auf der anderen Seite stehen die Köpfe, die die Künstlerin als die Summe von Seherfahrung und Menschenbeobachtung aus dem Gedächtnis schafft und die keine lebende Person abbilden.

Die konstruierten Köpfe setzt Gertrude Elvira Lantenhammer in Malerei um: quadratischen Gemälde, in Eitempera auf Leinwand, zeigen den Kopf mit verändertem Gesichtsausdruck, in drei Variationen.

 

Text zur Ausstellung "Offene Lage mit Schrein" von Gila Stolzenfuss

"DIE KETTE DES MÄDCHENS" oder wie Mesopotamien zu Altötting kam.

Da wir uns in den alten Zeiten am Ausgang getroffen hatten, um die Bedingungen zu verhandeln, haben folgende Themen Vorrang. Erstens, das Löschen der Vorhänge funktioniert nicht, zweitens, die Liste der Fahrpläne ist unendlich, drittens, die Schlüsselanhänger sagen heute Ade und viertens, unsere Verluste haben keine Bedeutung. Nicht, dass Sie sich jetzt ein Missverständnis gestatten sollten, der Bogen spannt sich von der Jahrhundertwende bis zum Sommerschlussverkauf. Jacken und Pullover werden als unnötig betrachtet. Der Schrein übermalt seine Bestürzung. Was Sie deutlich zu vernehmen meinen, setzt das Rascheln der Gebeine in Gang. Und hin und wieder balsamiert jemand seine wasserdichte Zunge. Der Regenschauer, der neulich den Kapellplatz auf Nimmerwiedersehen verschlang, entkam mit Müh und Not, die Gebetsketten waren bis hin zum Burgenland zu vernehmen.
Immer wieder ereignet es sich, dass die Heimatlosen in den Edelsteinen pulsieren. Die Kaminkehrerinnen, die Komponistinnen, die Schreiner, die Schriftenmaler, die Bildhauerinnen und die Vereine der Wallfahrer, sie alle strömen hin zu den Baugerüsten ihrer feierlichen Montur.
Heiratsschwindler wiederum Verbrecher und Rasenmäher haben im goldenen Tresor nichts zu suchen.
Der Pilgerstab jedenfalls liegt gleichermaßen noch vor uns. Dabei spielt der Vogelkäfig, wie gesagt keine Rolle. Der Vormittag steht Ihnen zur freien Verfügung.
Die Treppe also hat uns in Empfang genommen, an der Pforte bestellen die Neugeborenen ihre Karte kurz vor der ersten Wanderung. Die Rennstrecke befindet sich oben in der Belle Etage. Und siehe da, ein stabiles Geländer geht stumm auf der Bühne umher, es schert sich nicht um den Schmerz oder um die fleißige Trauer. Wir freuen uns über die allseitig hervorbrechende Fröhlichkeit und über den sinnlichen Segen, den die Gnadenkapelle uns anzuschicken beliebt. Das langsame Zurücktreten der Moorspiegelungen hat mich, da gebe ich Ihnen mein Ehrenwort, zuversichtlich gemacht, denn unsere ungeheuer starke Gemütsbewegung holt sich den Atemkittel aus dem Schuppen.
Wir beginnen unseren Rundgang mit den schwingenden Handtaschen, alles andere ergibt sich von selbst. Ein Stück Wegzehrung wäre auch nicht verfehlt. Nahrung in der Eigenschaft von gebrannter Erde. Was kann sie uns schon tun. Und warum auch. Purzelbäume aus hungriger Orientierung werden den Gerichtshof in Sicherheit bringen. Das Mädchen zertrümmert abends die Glyptothek. Es sind noch Freilandrosen zu haben.
Wir dagegen, die wir eine Vortragsreise sind und im Besitz von Ritterlichkeit verbleiben in den ausgehebelten Lüften. Deswegen umrunden wir Betrügereien und schleudern Waffen in die Trennung des Lichtes vom Licht. Schauen Sie, eingangs bestätigten wir den Zorn und nicht erst seit gestern reden die sonnigen Seligkeiten von den Spielen der Kinder. Der Weltschmerz steht offen im Aus, die Mitbewohner klettern nach oben. Denn es kann schon auch einmal bedrohlich werden die Sache mit der rauschhaften Madonna und deren angeflehten Herzen. Sie selbst jedoch gewinnt das Mädchen lieb, den Bettler, der nicht ergraut, der nicht von dannen geht, der mutterseelenallein den Schornsteinfeger vom Weihnachtsbaum befreit mit einer Armee von Reitern aus der Normandie und Chartres. Gertrude Elvira Lantenhammer wurde dort erzogen. Aus dem Blut des Hermelin hatte sie Kusshände verzaubert und sie grandios zelebriert. Wir verweilen noch ein wenig an dieser Stelle und waschen den Rücken des Kindes vorsichtig mit unserer Autobiografie. Die Fürsorge hat aus diesem Lazarus einen Flussgott gemacht, sein Geschäft liegt etwas außerhalb von Sevilla. Auch dort sind Pilger von jeher die rosarote Wolke. Sie werden sich aussingen, unerschrocken und früher als erwartet. In dieser Weise werden die Sprünge über den Zaun lebendig.
An einem von diesen bleibt die Kette des Mädchens zurück. Jedem der hier Anwesenden sickert von nun an ein bisschen Schwund aus der Seele. Aber lassen wir das.
Die junge Dame schaut uns eindringlichst an. Sofern Sie einen Kratzer in der Oberfläche entdecken sollten, halten Sie inne und lächeln, resignieren Sie nicht, Sie werden Ihren Lohn bekommen.
Wir verlassen nun den hingelachten jungen Menschen und betrachten den Totenglockendienst gegen den Feind.
Der Heimatverein und der Gesangsminister werden Ihnen das bestätigt haben können, denn was wären Sie ohne die Rinnsale in Ihrem Leid. Jeglicher Gemeinplatz kommt diesbezüglich zum Liegen.
Der Trost der Schönheit heute bietet Ihnen seine Begleitung an, selbige hat den feinen Geschmack aus den Pilgerstäben destilliert. Sie hadert nicht, sie trotzt nicht, sie ist einfach da. Mit oder ohne Schuhe. Mit oder ohne Schal. Jedoch mit einem enormen Gedächtnis. Überzeugen Sie sich selbst, kommen Sie, es passiert Ihnen nichts, wir gehen zum Schützengraben, manch einer erfleht darin seinen hundertjährigen Schlaf. Und nehmen Sie bitte wahr, dass die Barmherzigkeit flüstert, während unweit davon der Satan elend krepiert.
Wir befinden uns nämlich in einer durchaus präzisen Kettenreaktion, wenn der Firmling in seiner Umnachtung aufgehört haben wird zu fasten. Der Polterabend hatte ihm gut getan, der Bretterverschlag führte ihn zum Glückswagen hinaus, weil das, was zurückgelassen worden war sozial restlos möglich gewesen ist.
Schon damals hatten die Venezianer einen Abtrünnigen organisiert. Ein Barde also torkelt mitten durch die Reserve. Das ist der Ursprung von Religion und Kunst. Das Collier liegt Ihnen zu Füßen. Wenden Sie sich jetzt nicht ab, zerwühlen Sie nichts. Seien Sie froh, beobachten Sie das Podest und begründen Sie nichts. Gar nichts. Es machen die Wiederkäuer keinen Urlaub, denn es gibt Sonnenuhren, unter denen sind die Pilgerstäbe von morgens bis abends alleine. Dann klirren die Feldwege gegen die Unterkünfte und der stimmlich harte Beton kann damit sehr wohl gemeint sein. Wie das Mädchen denn hieße.
Das zu erfahren würde den Denkmalschutz erfordern und den Reisekoffer mit den erstaunlichen kosmischen Baracken. Oder Kolumbus habe einen Stein ins Rollen gebracht.
Und bedenken Sie, die galoppierenden Litaneien haben ihren Aufenthalt in der Provinz zur Hauptfigur erklärt, der Pilgerstab bricht in den Maserungen entzwei. Das ist weiß Gott etwas anderes als die Spekulation über das Gewicht eines gestohlenen Kalbes, jenes Pudelherz mit den unausgesprochenen Gesängen.
Nun denn. Wir bleiben unter uns, versteht sich. Keine Sorge. Die junge Dame ist Seefahrerin geworden und wenn Sie nicht aufpassen, werden Sie entführt.
Sie wollen jetzt endlich wissen, wie die Perlenträgerin heißt. Ich verrate es Ihnen später. Jetzt noch nicht. Es wäre außerdem schön, wenn Sie sich Ihrer Boxhandschuhe endlich entledigen würden.
Schauen Sie hier dieses große, gewürfelte Gemälde, unverfroren, ja sogar dreist grüßt es den Krankenwagen im Hagel. Die Terrassen verscheuchen charmant die Gefallenen. Ja, Sie haben richtig erraten, die fränkische Wunderkammer hat den Wolkenbruch überschwemmt, zum Glück, wahrlich, wir sind im Händeringen der Stotterer, der flimmert und hört.
Draußen steht die Sonne warm und herrlich in ihrem goldenen Abendstern, der sonntägliche Ausgang hat sich mit der Teilnahme an der Hochkultur erledigt. Die Frage der Kleidung ist damit gelöst. Das Mädchen heißt Sarah. Sie kam aus Mesopotamien. Darauf hinaus läuft die Prophetie der Tochter.

Vielen Dank

Gila Stolzenfuss


 

OFFENE LAGE MIT SCHREIN.